Die Frage nach den Motiven wird immer dann gestellt, wenn verschiedene Personen in derselben Situation unterschiedlich handeln. Motive sind für die Beurteilung von Menschen von großer Bedeutung, da sie relativ zeit- und situationsstabil sind. D. h., sie bestimmen die individuelle Wahrnehmung und Deutung von Situationen, die hieraus entstehenden Ziele und Erwartungen und damit das Handeln in Gegenwart und Zukunft.
Was wird durch das Verfahren erfasst?
Das MMG erfasst die wichtigen Handlungsmotive Anschluss, Leistung und Macht. Sein ideales Einsatzgebiet ist die Identifizierung von Personen mit einer geeigneten Motivstruktur für bestimmte Tätigkeiten oder die Zuweisung von persönlich optimal motivierenden Tätigkeiten zu Personen.
Mit dem MMG werden die Motive Anschluss, Leistung und Macht für verschiedene Situationen gemessen, und zwar jeweils für zwei unterschiedliche Tendenzen: eine aufsuchende (Hoffnung auf Zielerreichung) und eine meidende (Furcht vor Zielverfehlung). Der Test misst also folgende sechs Handlungsmotive:
Aufsuchende Motive: Hoffnung auf Anschluss (HA)
Hoffnung auf Erfolg (HE)
Hoffnung auf Kontrolle (HK)
Meidende Motive: Furcht vor Zurückweisung (FZ)
Furcht vor Misserfolg (FM)
Furcht vor Kontrollverlust (FK)
Wie ist der Test konzipiert?
Im Multi-Motiv-Gitter werden 14 Alltagssituationen bildlich dargestellt. Zu jeder der 14 dargestellten Situationen wird ein Satz von Aussagen angeboten, in dem sich wichtige Komponenten der obigen Motive widerspiegeln. Die Aufgabe der Testperson besteht darin, das Ausmaß ihrer Zustimmung zu den jeweiligen Aussagen anzugeben. Im MMG können sechs Motivkennwerte ermittelt werden.
Kurz und knapp
Die Bearbeitungszeit für den gesamten Test beträgt etwa 15 Minuten, seine Auswertung etwa 5 Minuten. Die Rohwerte werden mit Schablonen ermittelt und mit Hilfe von Prozenträngen oder T-Werten standardisiert. Es liegen Normen für die Gesamtstichprobe (N = 1.919) und getrennt nach Geschlecht vor (Frauen: N = 860, Männer: N = 1.059). Zur Interpretation des Ergebnisses dienen ein Motivprofil und umfangreiche Beschreibungen der Verhaltensweisen, die aus den entsprechenden Motiven resultieren.
Die sechsfaktorielle Struktur des MMG konnte durch eine CFA belegt werden. Die innere Konsistenz (Cronbachs Alpha) liegt für die einzelnen semiprojektiven Skalen im Bereich von .61 bis .76 (N = 1.216). Die Konstrukt- und Kriterienvalidität des Verfahrens wurde in einer ganzen Reihe von Studien bestätigt (PRF, Real-/Ideal-Selbst nach Higgins bzw. Trainingsgewinne, Präferenzen für Videospiele unterschiedlicher Thematik u. a.). Keiner der MMG-Kennwerte korreliert signifikant mit sozialer Erwünschtheit, gemessen mit der Crowne-Marlowe-Skala.
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